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Hechingen

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Erinnerungskultur und Tourismus beim Rundgang zur jüdischen Geschichte

Mitte des 19. Jahrhunderts war jeder vierte Hechinger jüdischen Glaubens. Durch die Verfolgung während des Nationalsozialismus ist der Anteil auf null Prozent in der heutigen Zeit geschrumpft. Um diese Geschichte einzufangen und für Besucher der Innenstadt sichtbar zu machen, hat die Stadt Hechingen gemeinsam mit der Initiative Hechinger Synagoge und ortskundigen Stadtführern einen digitalen Rundgang ins Leben gerufen. Per App lassen sich längst vergessene Winkel und die Geschichten dahinter entdecken.

Die alte Synagoge in Hechingen – das Bauwerk mit Ursprung im 16. Jahrhundert steht nicht zu jeder Zeit offen. Wer von außerhalb trotzdem einen Blick ins Innere wagen möchte, der kann das jetzt ganz problemlos über die Augmented Reality Funktion der zeigmal-App tun.

Per Klick auf dem Smartphone können alle Interessierten einen Blick in die 500-jährige Geschichte der Juden in Hechingen werfen. "Die App laden sie einfach runter und dann ist diese App eigentlich selbsterklärsam wie so Vieles", meint Martina Frey von der Initiative Hechinger Synagoge e.V..

"Sie müssen nur bestimmte Buttons anklicken und dann kommen sie auf den Rundgang und können die einzelnen Stationen abrufen", erklärt Frey. 

Und zu entdecken gibt es eine Menge: 18 Stationen, die fußläufig voneinander entfernt sind, laden zum Erkunden ein. "Es gibt zum einen natürlich die Stätten, wo die jüdischen Geschäftsleute gelebt haben – die haben die Textilindustrie hierher gebracht. Dann gibt es den Rabbiner. Dann gibt es die Madame Kaulla, die praktisch ein Finanzimperium gegründet hat als Hoffaktorin", erzählt Stadtführer Michael Linne.

Mit seiner Expertise und der seiner Stadtführer-Kollegen hat Michael Linne maßgeblich zur Entwicklung der Inhalte des virtuellen Rundgangs beitragen. Ihm zufolge ranken sich allerlei spannende Geschichten und witzige Anekdoten rund um die Hechinger Altstadt.

"Der Albert Einstein ist ja öfters mal hier gewesen, weil sein Onkel sein Studium finanziert hat", erzählt der Stadtführer. "Und wir müssen sagen, es gäbe wahrscheinlich keine Relativitätstheorie – relativ wahrscheinlich – wenn ihn der Onkel nicht finanziert hätte", so weit der geschichtliche Teil laut Linne.

"Und da gab's eine Marktfrau, die hat jeden beim Vornamen gekannt. Albert mit seiner Riesenmähne kam bei ihr vorbei am Stand und dann sagt sie: 'Du Albertle, jetzt gohsch mal wieder zum Friseur, gell!'", erzählt Michael Linne, während er eine im breiten schwäbisch schwätzende, alte Frau nachahmt.

Trotz aller Fakten und Anekdoten über große Persönlichkeiten wie Albert Einstein nimmt der Rundgang auch eine düstere Wendung. Mit der Verfolgung in der NS-Zeit kam das bis dato florierende Leben der jüdischen Gemeinde in Hechingen zum Stillstand.

Mit dem digitalen Rundgang möchte die Stadt ihren Beitrag zur Erinnerungskultur leisten und gleichzeitig ein attraktives Angebot für Touristen schaffen. "Wir wollen durch diese App und auch durch die begleitende Broschüre die Geschichte Hechingens, die jüdische Geschichte Hechingens, aber auch die nicht-jüdische Geschichte Hechingens erlebbar machen", erklärt Hechinger Bürgermeister Philipp Hahn.

Mit der App wolle Hahn einen "für alle Generationen interessanten Ort für einen Aufenthalt" schaffen. Die zeigmal-App ist kostenlos für Apple und Android erhältlich. Um den Stadtrundgang zu starten, bedarf es keiner Anmeldung. Smartphonenutzer können nach dem Download direkt loslegen.

(Zuletzt geändert: Dienstag, 03.11.26 - 17:08 Uhr   -   142 mal angesehen)

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