Wildtiere im Dürrestress: Lange Trockenheit hinterlässt auch Spuren im Wald
Der Sommer war bisher heiß und extrem trocken. Zwar ist jetzt am Sonntag und Montag etwas Regen gefallen, aber das war bislang nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die lang anhaltende Dürre macht auch den Wildtieren in den Wäldern der Schwäbischen Alb zu schaffen. Ganz besonders die Rehe leiden an der Trockenheit. Anzeichen dafür begegnet Kreisjägermeister Marc Weiß jeden Tag. Wir haben ihn bei Lichtenstein-Holzelfingen in den Wald begleitet.
Eine Senke, mitten im Wald bei Holzelfingen, ist normalerweise ein Tümpel. Doch die lange Dürre hat ihn austrocknen lassen. Sehr zum Leidwesen der Wildtiere. Für sie wird es immer schwerer, Wasser zu finden – noch dazu auf der Albhochfläche, wo das Nass schnell im kalkhaltigen Untergrund versickert. Doch die Jäger haben für Abhilfe gesorgt. Was wie ein Regenrohr aussieht, ist eine Tränke.
Kreisjägermeister Marc Weiß: "Wir von der Jägerschaft, wir bringen Wasser aktiv ins Revier, dass die Rehe und auch andere Tiere, wir haben auch Füchse, wir haben natürlich auch Dachse, dass die wieder Wasser bekommen, dafür stellen wir Wassertränken aktiv auf, an denen sich die Rehe natürlich dann jederzeit bedienen können, dazu gehört, dass wir diese zwei- bis dreimal die Woche kontrollieren müssen, Wasser nachfüllen müssen."
Das sei alles ein großer Aufwand, so Marc Weiß. Aber er lohnt sich. Das zeigen Bilder von einer Wildkamera an einer anderen Tränke. Dass Rehe überhaupt trinken, ist an und für sich schon ein Warnsignal. Marc Weiß: "Normalerweise nehmen die Rehe ihren Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung oder über den Tau, der morgens auf den Wiesen liegt, auf, jetzt haben wir derzeit die Situation, das Gras auf den Wiesen ist trocken, wir haben kein Tauwetter mehr, also kein Tau mehr auf den Wiesen, deswegen gehen die Rehe auch selbst aktiv auf Wasserstellen zu."
Und nicht nur das: Bei seinen Streifzügen durch den Wald trifft Marc Weiß immer wieder auf ein Phänomen, das die Jäger „Verbiss" nennen. Da die Rehe auf den Wiesen keine Nahrung mehr finden, knabbern sie junge Bäume an.
Marc Weiß: "Auch hier ein wichtiger Punkt, dass wir das Wasser ausbringen, weil diese jungen Pflanzen, das ist der Wald der Zukunft, der auch klimastabil sein sollte in Zukunft, und wir müssen dafür sorgen, dass dieser Wald hochkommt, und deswegen ist auch diese Wasserausbringung eine Maßnahme gegen den Verbiss."
Da das Wild wegen des insgesamt sehr trockenen Sommers immer noch stark unter Stress steht, haben die Jäger auch die Jagd eingestellt und die Hochsitze gesperrt. Aber auch alle anderen, die dieser Tage den Wald besuchten, sollten Rücksicht auf die Wildtiere nehmen, so Marc Weiß.
"Ich habe einen Appell für die Bevölkerung: Bitte, bleiben Sie derzeit auf den Wegen, nehmen Sie Ihre Hunde an die Leine, und bitte: Wenn Sie ein Reh sehen, gehen Sie eher zurück wie darauf zu. Kein Foto machen, weil jeglicher Stress, den wir jetzt zusätzlich dem Wild beifügen, verstärkt die Situation und ist vielleicht ein Krankheitsurteil für ein Tier."
Dass auch die Bäume unter Trockenstress stehen, zeigt die bunte Verfärbung der Blätter, die stellenweise eher an den Frühherbst als an den Hochsommer erinnert. Jetzt hoffen Marc Weiß und seine Jägerkollegen auf ein paar Tage Dauerregen. Denn nur das könne Abhilfe schaffen.
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