USA-Korrespondent spricht über "Die neue Weltunordnung"
Zur Tübinger Mediendozentur kommt seit 2003 jedes Jahr eine Persönlichkeit aus den Medien, um einen Vortrag an der Universität Tübingen zu halten. Das ganze ist eine Kooperation der Universität mit dem Institut für Medienwissenschaft und dem SWR Studio Tübingen. In den vergangenen Jahren waren unter anderem Claus Kleber, Maybrit Illner und Harald Lesch zu Gast. Am Mittwochabend kam Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington.
Tosender Applaus für den preisgekrönten Journalisten und Bestsellerautor Elmar Theveßen. Bei der 21. Mediendozentur der Uni Tübingen hat er einen Vortrag mit dem Titel „Die neue Weltunordnung" gehalten.
"Also es geht um Donald Trump und wie er tatsächlich die amerikanische Demokratie untergräbt", erklärt Theveßen. "Und ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, welche Mechanismen er dazu nutzt. Wir hören ja täglich nur das, was er auf True Social postet, oder was in den Nachrichten als kurze Meldung verbreitet wird. Und ich glaube, man muss sich intensiver mit den Hintergründen und Zusammenhängen beschäftigen."
Trump weite systematisch seine präsidiale Macht aus, indem er gesellschaftliche Kontrollinstanzen zersetzt und rechtsstaatliche Kontrollmechanismen abbaut. Das ließen sich die Staatsgewalten, so Theveßen, von Trump gefallen – allem voran das mehrheitlich republikanische Parlament.
"Er erklärt Notstände und rechtfertigt damit seine Befehle, die er verbreitet. Und das Parlament hätte eigentlich die Aufgabe, das zu kontrollieren, zu hinterfragen und überall da, wo Gesetze mit diesen Exekutivbefehlen gebrochen oder die Verfassung unterlaufen wird, entsprechend gegenzuhalten", fordert der Leiter des ZDF-Studios in Washington.
"Tatsächlich wird die Verfassung unterlaufen, aber der Kongress kommt seiner Kontrollfunktion nicht nach." Nicht nur das Parlament, auch die Pressefreiheit im Weißen Haus sei durch Trumps Regentschaft bedroht. Als US-Korrespondent bekommt Theveßen das direkt von seinem Wohnsitz in Washington mit.
"Es sind mehr Podcaster, mehr Influencer dabei, die auf der Linie des Präsidenten liegen. Ich nenne mal ein Beispiel; Da kommen dann Fragen: 'Herr Präsident, woher haben Sie den Mut genommen, mit Vladimir Putin wieder Kontakt aufzunehmen', und so weiter. Und wenn man kritische Fragen stellt, dann werden sie beleidigt, beschimpft und bedroht. Und das ist ein ganz anderes Klima, als wir das bei früheren Präsidenten hatten", erzählt Theveßen.
Das gehe laut Theveßen nicht unbemerkt an der bisherigen Wählerschaft Trumps vorbei. Umfragewerte zeigen, dass der amtierende Präsident merklich an Popularität verliert. Für einen politischen Kurswechsel liege es nun auch an den Demokraten, Barmherzigkeit zu zeigen.
"Es ist wichtig, dass die Demokraten, die Opposition nicht hingehen und den Leuten sagen 'Ihr seid einfach dumm, dass ihr dem Donald Trump hinterhergelaufen seid.' Sondern sie müssen Wege finden klarzumachen, dass sie die bessere Wahl sind. Also, dass sie das bessere Konzept haben und auch wirklich ihre Anliegen vertreten wollen", fordert der US-Korrespondent.
Das Zwei-Parteien-System der USA erschwert einen Kurswechsel, so Theveßen. Viele Bürger hätten durch die vorigen Administrationen ihr Vertrauen in die linke Mitte verloren. Dieses Vertrauen wiederzugewinnen, wird keine leichte Aufgabe bis zu den nächsten Wahlen 2028.
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