Kinder zu den Großeltern? Ministerium gibt gefährliche Corona-Handreichung
Virologen warnen: Kinder können ihre Großeltern mit dem Corona-Virus anstecken und dadurch in Lebensgefahr bringen. Die Sterblichkeit bei den über 80-jährigen könnte bis zu 25% betragen. Das Bundesarbeitsministerium empfiehlt in einer Handreichung aber das Gegenteil: Bei Schulschließungen sollen Großeltern die Betreuung ihrer Enkel übernehmen. Warum das lebensgefährlich sein kann, lesen Sie hier:
Die Handreichung des Bundesarbeitsministeriums ist hochbrisant. Und sie findet sich versteckt in einem Fragen-Antwort-Katalog für Arbeitnehmer: Wie muss ein Arbeitnehmer mit Kindern verfahren, wenn es wegen Corona zu Schulschließungen kommt:
"Was passiert, wenn mein Kind nicht krank ist, aber die Kita/Schule meines Kindes (länger) geschlossen wird und ich keine andere Betreuung für das Kind habe? Muss ich Urlaub nehmen?", lautet die Frage.
Und als Antwort ist zu lesen (Stand 12.03.2020-08:00 Uhr):
"Ist bei der Schließung der Kita/Schule unter Berücksichtigung des Alters der Kinder eine Betreuung erforderlich, so müssen die Eltern zunächst alle zumutbaren Anstrengungen zu unternehmen, die Kinderbetreuung anderweitig sicherzustellen (z. B. Betreuung des Kindes durch Großeltern, anderes Elternteil)."
Die in der Antwort des Bundessozialministeriums avisierte "Betreuung des Kindes durch die Großeltern" ist Experten zufolge allerdings hochproblematisch - und unter Umständen für die Großeltern lebensgefährlich:
Während Kinder und Jugendliche bei einer Infektion durch Corona kaum erkranken, könnten sie ihre Großeltern mit dem Virus anstecken. Und das sei problematisch und höchst gefährlich:
Bei 20 bis 25% könnte die Sterblichkeit bei Corona-Infizierten ab 80 Jahren liegen, hat der Berliner Virologe Christian Droste jüngst errechnet. Er hält ältere Menschen ab dem Rentenalter deshalb für hochgefährdet. Deshalb fordert er alle Familien dringend auf, jeden Kontakt zwischen Kindern und Großeltern während der Corona-Epidemie komplett zu unterbinden.
Zu der Frage, weshalb infizierte Kinder kaum Corona-Symptome zeigen, während ältere Menschen einem hohen Sterberisiko ausgesetzt sind, gibt es unter Wissenschaftlern eine Theorie:
Ältere Menschen könnten im Laufe ihres Lebens, vor Jahrzehnten, schon einmal mit einer anderen Sorte eines Coronavirus infiziert worden sein: Das Immungedächtnis der Alten führt jetzt bei einer neuerlichen Infektion mit Covid-19 zu einer heftigen,überschießenden Immunantwort der Älteren. Diese Immunantwort könnte für die älteren Menschen so heftig sein, dass diese zu heftigen Entzündungsprozessen der Lunge und schließlich zum Tode führt. In der Tat sterben die meisten Corona-Patienten an einer Sepsis oder an einem Multiorganversagen.
Auch von der gefürchteten spanischen Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts ist mittlerweile bekannt, dass die damaligen Kranken überwiegend durch eine überschießende Immunantwort ihres Immunsystems zu Tode kamen.
Das Immunsystem der Kinder ist dieser Theorie zufolge - gegenüber dem Corona-Virus noch unbedarft und reagiert nur mit milden Symptomen. So könnten die trotz Infektion munteren Kinder das Virus unbedarft zu ihren Großeltern tragen..
update vom 13.03.2020-23:00 Uhr:
Zwischenzeitlich hat das Bundesarbeitsministerium den fraglichen Satzteil entfernt.
Anmerkung der Redaktion:
In einer früheren Version dieses Artikels stand in der Überschrift fälschlicherweise "Gesundheitsministerium" statt "Arbeitsministerium". Wir bitten das Versehen zu entschuldigen.
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