Gedenkstunde zum Tag des Attentats am 20. Juli 1944
Eine Gedenkstunde in Albstadt-Lautlingen blickt jedes Jahr auf den 20. Juli 1944 zurück. So auch diesen Montag. An jenem Tag vor mehr als 80 Jahren versuchten die Brüder Berthold und Claus Schenk Graf von Stauffenberg, gemeinsam mit Mitverschwörern aus dem Militär, Adolf Hitler zu töten. Bei der Rede zum Gedenktag ging es dieses Jahr aber um mehr als nur dieses eine versuchte Attentat.
Auf dem Gebiet, auf dem heute Albstadt-Lautlingen liegt, befindet sich seit dem 17. Jahrhundert der Sitz der Herren von Stauffenberg. Berthold und Claus Schenk Graf von Stauffenberg verbrachten ab 1918 ihre Jugend hier. Auch hier verfassten sie 1943 die „Lautlinger Leitsätze", eine Kritik am Nationalsozialismus mit Plänen für ein neues Deutschland.
Später, am 20. Juli 1944, versuchten sie, Hitler im Führerhauptquartier Wolfsschanze mit Sprengstoff zu töten. Ihr Versuch blieb ohne Erfolg. Eines der letzten Attentate auf den Führer. Und eins, dessen auch heute noch bei der Stauffenberg-Gedenkstätte mit Kränzen, Musik und mehr gedacht wird. Joachim Ziller betont die Bedeutung des Tages, auch über die Stuaffenberg-Brüder hinaus:
"Dieser Tag wird allgemein als Erinnerung des Widerstandes genutzt, und ich freue mich, dass man an diesem Tag auch die Gelegenheit hat, an Georg Elser zu denken, einen Widerstandskämpfer, der viele Gemeinsamkeiten mit Claus Graf von Stauffenberg hat."
Ziller, der Redner der Gedenkstunde, ist Leiter der Georg-Elser-Gedenkstätte in Königsbronn. Um Elser drehen sich auch große Teile seiner Rede. Der Volksschüler versuchte ebenfalls, den Führer mit Sprengstoff zu töten. Sein Versuch kam deutlich früher, im Jahr 1939. Er wollte Hitler bei seiner Rede im Münchner Bürgerbräukeller ausschalten. So wollte er den Krieg verhindern.
"Zunächst wollte Hitler gar nicht an der Veranstaltung im Münchner Bürgerbräukeller teilnehmen", erläutert Ziller. "Er hat sich aber dann kurzfristig doch noch entschieden, daran teilzunehmen, aber machte zur Auflage, dass er in der Nacht noch zurück nach Berlin kommt. Normalerweise redete er 2 Stunden, an diesem Tag hat er nur eine Stunde ungefähr geredet."
Da die Rede früher als erwartet endete, ging der Sprengsatz erst hoch, als Hitler schon fort war. Das Attentat scheiterte. Ohne gerichtlichen Prozess kam Elser in ein Konzentrationslager. Er starb in Gefangenschaft, auf Befehl von oben. Und auch noch viele Jahre nach dem Ende des Naziregimes schwieg sein Heimatort Königsbronn ihn tot.
Als Leiter der Elser-Gedenkstätte, hat Ziller seine eigene Meinung, warum die Aufarbeitung in der Heimatstadt so lange gedauert hat. "Hauptsächlich deshalb, weil er nicht in die damalige Zeit passte, denn nach dem Krieg sagte jeder, man habe nichts gewusst oder konnte nichts tun. Und da passte ein normaler Volksschüler nicht in die Aufarbeitung."
Da Elser nie einen Prozess gehabt hatte, gestaltete sich auch die gerichtliche Aufarbeitung als schwierig, auch wenn das heutige Grundgesetz das Recht zum Widerstand gegen Tyrannen garantiert, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Für Elser wie für die Brüder Stauffenberg, gab es keine andere Abhilfe. Und Ziller warnt, dass so ein Zustand erneut näher rücken könnte:
"Es wird versucht, die Meinungsfreiheit infrage zu stellen, indem man nur noch eigene Wahrheiten verbreitet. Trump spricht von alternativen Fakten. Man will das gar nicht mehr hören, man will die Gerichte nicht mehr unabhängig machen. Denn wenn ich die Gerichte unter mir habe, kann ich das Recht auslegen, wie es ist."
Neben Trump bereitet auch die Politik der Rechten in Deutschland Ziller Sorgen. Sie könne an einen Ort führen, an dem gewaltsamer Widerstand eines Tages erneut der einzige übrige Weg zur Abhilfe ist.
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