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Fieberambulanzen

Foto: Bild von fernando zhiminaicela auf Pixabay
Ärztekammer und Hausärzteverband uneins über neue Corona-Strategie

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat den von Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigten Strategiewechsel im Kampf gegen Corona begrüßt. Der Hausärzteverband sieht die geplanten Fieberambulanzen hingegen skeptisch.

Sollten sich im Herbst und Winter Erkältungspatienten in den Arztpraxen drängeln, dann "können auch die von Jens Spahn ins Gespräch gebrachten Fieberambulanzen eine sinnvolle Ergänzung sein, um Patienten vor Ansteckung zu schützen", sagte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Hier sind Lösungen gefragt, die passgenau auf die Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten sind."In der Erkältungs- und Grippezeit herrsche "Hochbetrieb in unseren Praxen", sagte Reinhardt, der selbst Hausarzt ist.

"In diesem Winter werden vermutlich noch mehr Menschen als sonst einen Arzt konsultieren, weil viele Patienten Erkältungssymptome auch auf eine mögliche Corona-Infektion abklären lassen wollen." Darauf bereiteten sich die Praxen schon durch geänderte Abläufe, durch separate Wartebereiche, Möglichkeiten der Fernbehandlung und gesonderte Sprechstundenzeiten für Atemwegserkrankte vor. Um die Ansteckungsgefahr weiter zu bannen, forderte er aber auch: "Aus meiner Sicht sollten Reihentestungen und Screenings systematisch aus den Praxen herausgehalten und auf spezielle Testzentren konzentriert werden."

Ausdrücklich lobte Reinhardt Spahns Ankündigung, neben PCR-Tests stärker auf Antigen-Tests zu setzen, die schneller Ergebnisse über eine mögliche Corona-Infektion liefern. "Es ist gut, dass sich Jens Spahn unserem Vorschlag für einen vermehrten Einsatz von Corona-Schnelltests angeschlossen hat", sagte er der NOZ. Für die zügige Nachverfolgung von Infektionsketten sei es ein Problem, dass die Ergebnisse des PCR-Tests in der Regel erst nach mehreren Tagen übermittelt werden könnten. "Schnelltests liefern schon nach etwa einer Stunde ein Ergebnis. Ärzte können Patienten so direkt in den Praxen oder in Teststationen beraten und entsprechende Quarantänemaßnahmen veranlassen", sagte Reinhardt.

Der BÄK-Präsident mahnte noch weitergehende Schritte an: "Für das medizinische Personal selbst brauchen wir eine bundesweit verbindliche Teststrategie", forderte der BÄK-Präsident. "Bisher haben sich in Deutschland schätzungsweise 15.500 Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen mit dem Coronavirus infiziert. Das ist belastend für die Betroffenen und riskant für die Patienten. Gerade in der bevorstehenden Grippesaison können wir uns keine Ausfälle beim medizinischen Personal leisten."

Hausärzteverband sieht Fieberambulanzen skeptisch

Der Hausärzteverband hingegen hat zurückhaltend auf den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) reagiert, im Herbst flächendeckend Fieberambulanzen für Atemwegserkrankungen einzurichten. "Die Versorgung sollte, solange dies möglich ist, in den Hausarztpraxen stattfinden - schließlich liegt dort auch die meiste Erfahrung hinsichtlich der Behandlung von Infektpatienten", sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der Rheinischen Post.

"Sollten dann regional vermehrt COVID-19-Fälle auftreten, sind Fieberambulanzen natürlich eine wichtige Möglichkeit." Dabei sei aber der enge Austausch mit den Praxen vor Ort unerlässlich, da diese am besten wüssten, wie die Versorgungssituation gerade aussehe. "So lange sollte, gerade in Regionen, in denen die Covid-19-Fälle gering sind, nicht unnötig die Versorgung aus den Praxen ausgelagert werden." Auch ein Bruch in der Betreuung der Patienten stelle schließlich ein Risiko für die Versorgung dar. Weigeldt forderte zudem, zum Schutz der Risikopatienten die telefonische Feststellung einer Krankschreibung wieder zu ermöglichen.

"So könnten sich Infektpatienten, die keiner Behandlung in der Praxis bedürfen, etwa, weil sie einen leichten grippalen Infekt haben, zu Hause auskurieren und die Hausärztinnen und Hausärzte müssten sich nicht wegen des möglichen Ansteckungsrisikos für ihre anderen Patienten sorgen."

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