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Wegen Corona

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So planen Unis und Hochschulen das "Online-Sommersemester"

Studierende im Land sollen das Sommersemester nicht wegen Corona verlieren. Unis und Hochschulen setzen auf digitale Lehre. Wir zeigen beispielhaft, wie die Hochschulen Albstadt-Sigmaringen und Reutlingen die Lage angehen.

Nach einem Beschluss des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums startet der Vorlesungsbetrieb in diesem Sommersemester erst am 20. April, eine Woche später als vorgesehen. Doch möglicherweise müssen die Hörsäle weiter verschlossen bleiben, weil die Coronakrise noch nicht überwunden ist. Die Unis und Hochschulen bereiten sich auf dieses Szenario vor. Dass das Sommersemester ausfällt, kommt laut Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer nicht infrage.

Virtuelles Klassenzimmer, Vorlesungsaufzeichnungen, Online-Testate, Lernvideos - Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen setze "alles daran, die Durchführung des Sommersemesters für unsere Studierenden sicherzustellen", betont zum Beispiel deren Rektorin Dr. Ingeborg Mühldorfer. Die Hochschule will ab dem 20. April so viele Lehrveranstaltungen wie möglich in digitalen Formaten anbieten. "Und auch wenn die Hochschule in knapp drei Wochen wieder öffnen könnte, „wird die Gefahr durch das Virus noch lange nicht gebannt sein", sagt Ingeborg Mühldorfer. „Mit der Verlagerung eines Großteils der Lehre ins Digitale wollen wir daher nicht nur auf eine längere Schließung der Hochschule vorbereitet sein, sondern auch das Ansteckungsrisiko minimieren."

Die Hochschulen in Baden-Württemberg und das Wissenschaftsministerium würden sich derzeit "auf Hochtouren" abstimmen und vorbereiten, so Mühldorfer. Am 9. April sollen die Studierenden eine Stundenplanung mit dem digitalen Angebot für ihren jeweiligen Studiengang erhalten. Ein Team um den Prorektor Lehre, Prof. Clemens Möller, organisiert die derzeitige Umstellung federführend und berät Professorinnen und Professoren bei der Umsetzung digitaler Lehrformate.

"Schwierige Zeit, die mutiges Handeln verlangt"

„Glücklicherweise kommt uns nun zugute, dass wir an unserer Hochschule ohnehin längst digitale Maßnahmen etablieren, um die Lehre zu unterstützen", sagt Clemens Möller. Dennoch: „Eine schwierige Zeit, die mutiges Handeln verlangt". Den Anspruch, dass alles ab dem ersten Tag reibungslos läuft, hat die Hochschulleitung nicht. „Die Krisensituation ist für uns alle außergewöhnlich", sagt Rektorin Mühldorfer. „Es werden Fehler passieren, und wir werden sie aushalten müssen." Aber etwas zu unternehmen sei allemal besser als es zu unterlassen: „Es ist eine schwierige Zeit, die mutiges Handeln verlangt." Tatsächlich könne diese Ausnahmesituation für die Hochschule auch eine große Chance sein, die bereits beschrittenen Wege im Bereich der Digitalisierung fortzusetzen.

An der ESB Business School der Hochschule Reutlingen halten Professoren ihre Lehrveranstaltungen seit Kurzem virtuell. Deren Studiengänge orientieren sich an den internationalen Semesterzeiten und haben daher längst mit dem Vorlesungsbetrieb begonnen. Professoren und Lehrbeauftragte der ESB bieten Livestreams und Aufzeichnungen an, diskutieren mit ihren Studierenden in Chatrooms, vergeben Übungsaufgaben und veröffentlichen Skripte zum Selbststudium.

Die Hochschule Reutlingen hat zudem ein freiwilliges Lernangebot im Grundlagenbereich für die Erstsemester-Bachelorstudierenden. Weiteres sollen die Studierenden noch erfahren.

Politik für mehr digitale Lehre

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) stellte heute klar, dass ein "Nicht-Semester" oder "Null-Semester" nicht zur Debatte stehe. „Trotz der ungewissen Situation in Bezug auf die Pandemie-bedingten Ein­schränkungen des Studienbetriebes ist so viel schon heute klar: Das Sommersemester darf kein verlorenes Semester für die jungen Menschen werden", betonte Bauer.

"Wir wollen, dass unsere Hochschulen so weit wie möglich auf Online-Formate umstellen und neue Wege beschreiten für den Studienbetrieb", sagte Theresia Bauer und forderte: "Es ist enorm wichtig, dass unsere Hochschulen im ganzen Land den Studien­betrieb immer stärker um virtuelle Angebote ergänzen. Es gibt auf diesem Gebiet schon viele Erfahrungen und Vorreiter-Hochschulen, die zeigen, wie es geht. Wir haben in den vergangenen Jahren rund zehn Millionen Euro investiert, um die Pioniere zu unterstützen. Darauf können die Hochschulen jetzt aufbauen."

Gabi Rolland, hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Opposition im Landtag, teilt die ablehnende Position von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zu einem Ausfall des Sommersemesters. "Deswegen müssen bei der Umstellung auf digitale Lehr- und Lernformate alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, damit das bevorstehende Sommersemester in vollem Umfang gezählt und angerechnet werden kann", erklärte sie.

"Insbesondere die Verantwortlichen an den Hochschulen sind gerade mit Hochdruck und großer Motivation dabei, die technische Ausstattung in der IT-Infrastruktur und praktikable Software-Tools auszubauen, die digitale Didaktik der Hochschullehre mit innovativen Lösungen und unter Wahrung hoher Qualitätsstandards weiterzuentwickeln und Lehrende dazu in Schnellkursen angemessen zu schulen", so Rolland.

Die Landesregierung ist aus Sicht der SPD-Politikerin in der Pflicht, "die Hochschulen bei ihren Anstrengungen auf allen Feldern größtmöglich zu unterstützen - sei es bei der flexiblen Handhabung rechtlicher Vorgaben, aber auch bei der Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel". Das Thema Digitalisierung in der Lehre an den Hochschulen habe bei Wissenschaftsministerin Bauer bisher nicht die Priorisierung gefunden, die ihm eigentlich zustehe. Hier brauche es einen Paradigmenwechsel und eine gezielte eigene Förderung der digitalen Lehre an den Hochschulen. Andere Bundesländer seien hier schon viel weiter "oder nutzen in der Krise die sich nun auftuende Notwendigkeit für Nägel mit Köpfen."

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