USA wollen Corona-Impfstoff von CureVac exklusiv - Trump lockt mit Geld
Die Tübinger Firma CureVac steht im Fokus eines wirtschaftspolitischen Streits zwischen USA und Deutschland. Sie arbeitet an einem Corona-Impfstoff, den die USA offenbar exklusiv wollen. Empörung in Berlin und im Tübinger Gemeinderat.
Die Tübinger Firma CureVac forscht an einem potenziellen Corona-Impfstoff. Laut Welt am Sonntag versuchen die USA, die Wissenschaftler mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika zu locken beziehungsweise das Medikament exklusiv für ihr Land zu sichern. Die deutsche Regierung versucht, das zu verhindern.
Dem Bericht zufolge bietet US-Präsident Trump CureVac viel Geld, um sich deren Arbeit exklusiv zu sichern. Deutschland versucht demnach nun ebenfalls, die Firma mit finanziellen Angeboten zu halten. CureVac selbst wollte sich gegenüber der Zeitung nicht äußern.
Tübinger Linke bekräftigt Forderung nach Zivilklausel
Die Linken-Fraktion im Tübinger Stadtrat bekräftigte angesichts der Meldung ihre Forderung nach einer verbindlichen Zivilklausel für alle Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen in der Stadt. "Alle Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen müssen zuallererst dem öffentlichen Interesse der Bevölkerung dienen - hier und überall auf der Welt - und nicht dem Pentagon", betonte Linken-Stadträtin Gerlinde Strasdeit.
Sie erneuerte Befürchtungen, wonach CureVac über millionenschwere Forschungsaufträge mit der US-Militärforschungsorganisation DARPA "dem US-Verteidigungsministerium mehr verpflichtet ist und nicht dem öffentlichen Forschungs- und Wissenschaftsauftrag hier im Land."
Kritik auch aus dem Bundestag. Bärbel Bas, die Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, twitterte als Reaktion:
Es ist eine ethische, nicht wirtschaftliche oder nationale Frage. Wenn es einen Impfstoff gibt, muss er allen zur Verfügung stehen. Alles andere wäre ein Skandal. Bei einer Pandemie geht es um alle Menschen, nicht um ‚America first'.https://t.co/HOeRaQPu5s via @welt
— Bärbel Bas (@baerbelbas) March 15, 2020
"Die aktuellen Meldungen über eine Auseinandersetzung der Bundesregierung mit US-Präsident Trump bezüglich der Impfstoffentwicklung der Firma Curevac in Tübingen, sind befremdlich, sagt die Tübinger Bundestagsabgeordnete der Linken, Heike Hänsel. "Angesichts der schnellen globalen Verbreitung des Covid19-Virus muss die Welt geschlossen gegen diese Krankheit vorgehen. Die Firma Curevac ist aufgerufen, ihrer internationalen Verantwortung gerecht zu werden".
"Patent der UN zur Verfügung stellen"
Sollte Curevac einen anwendbaren Impfstoff zur Produktionsreife bringen, dürfe daraus kein Milliardengeschäft gemacht werden, erklärte Hänsel. Angesichts dieser Pandemie müsse das Patent der UN-Weltgesundheitsorganisation WHO zur Verfügung gestellt werden. "Dafür muss sich die Bundesregierung einsetzen. Wichtige Gesundheitsforschung muss öffentlich stattfinden und darf nicht privatisiert werden", fordert Hänsel.Gerade die afrikanischen und lateinamerikanischen Länder, mit schwachen öffentlichen Gesundheitssystemen, müssen diesen Impfstoff nach Hänsels Überzeugung kostenlos erhalten können.
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