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Rottweil

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Vierte Corona-Erkrankung in Baden-Württemberg nach Italien-Reise

Nach den zwei positiven Corona-Testergebnissen am heutigen Mittwoch in Tübingen hat das Landesgesundheitsamt am Mittwochabend einen weiteren Fall in Rottweil bestätigt. Am Vortrag war bereits ein Göppinger positiv getestet worden. Damit steigt die Zahl der Infizierten in Baden-Württemberg auf vier. Alle zogen sich das Virus nach einer Italienreise zu - oder von Angehörigen, die dorthin verreist waren.


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Nach den zwei positiven Corona-Testergebnissen am heutigen Mittwoch in Tübingen hat das Landesgesundheitsamt am Mittwochabend einen weiteren Fall in Rottweil bestätigt. Damit steigt die Zahl der Infizierten in Baden-Württemberg auf vier.

Bei den beiden Infizierten in Tübingen handelt es sich um die Reisebegleiterin des Göppinger Corona-Patienten, der sich wohl in Italien angesteckt hatte, sowie deren Vater.

Rottweiler Familie kam aus einem Risikogebiet  in Italien zurück 

Bei dem neuesten Fall handelt es sich, so das BW-Sozialministerium, um einen 32-jährigen Mann aus dem Landkreis Rottweil, der am 23. Februar mit seiner Familie aus dem Risikogebiet in Italien (Provinz Lodi, Codogno) eingereist ist. Er hatte sich aufgrund der typischen grippeähnlichen Symptome beim örtlichen Gesundheitsamt gemeldet.

Am frühen Mittwochabend habe sich der Verdacht schließlich bestätigt. Der Patient wird nun in einem Krankenhaus betreut und isoliert von den anderen Patientinnen und Patienten behandelt. Seine mitgereiste Ehefrau und sein Kind sind negativ getestet worden und bleiben in häuslicher Absonderung.

Sobald eine der Kontaktpersonen Symptome entwickelt, werde sie nach Angaben des Sozialministeriums BW ebenfalls in einem Krankenhaus isoliert. Alle beteiligten Ärzte, Gesundheitsbehörden sowie das Kompetenzzentrum Gesundheitsschutz am Landesgesundheitsamt arbeiten eng zusammen.

Tübinger Coronapatient ist Oberarzt am Universitätsklinikum

Bei den beiden Coronavirus-Patienten am Universitätsklinikum Tübingen handelt es sich um zwei Kontaktpersonen des Göppingers, der bereits gestern positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Dabei handele es sich um die 24-jährige Freundin des Göppingers und deren Vater.

Der heute ebenfalls positiv auf Corona getestete Vater ist zudem Oberarzt in der Pathologie des UKT. Er hatte gestern noch - zusammen mit mehreren anderen Ärzten - an einer sogenannten Tumorkonferenz des Universitätsklinikums teilgenommen.

Am Nachmittag des Aschermittwochs informierte das UKT in einer Pressekonferenz über die Einzelheiten:

Landrat Walter betonte, dass es im Vergleich zum Corona-Virus andere Gesundheitsrisiken gibt, die weitaus gefährlicher sind. Trotzdem müsse man mit Besonnenheit handeln, um die Entwicklung in Schach zu halten.

Die anwesenden Ärzte wiesen darauf hin: In den allermeisten Fällen handele es sich um eine milde Erkrankung der Atemwege. Mehr als 80% der Fälle verlaufen demnach mild. Aus einer Fallserie von 40.000 gut beschriebenen Fällen in China könne man sagen: Kinder können zwar infiziert werden, erkranken aber kaum. Ab einem Alter von 60 Jahre werde es dann problematischer. Und ab 80 Jahren werde es dann richtig gefährlich.

Klinikums-Chef Prof. Michael Bamberg sagte: Es sei zwar eine ernst zu nehmende Erkrankung, Überreaktionen sollten aber vermieden werden. Es sei wichtig, dass Infizierte rasch identifiziert werden können: "Es wäre problematisch gewesen, wenn die Patienten noch eine zeitlang [unbehandelt] herumgelaufen wären".

In Absprache mit dem Gesundheitsamt habe man einen vernünftigen, vertretbaren Kompromiss gefunden, um mit der Situation innerhalb der Universitätskliniken umzugehen. Schließlich müsse man im Auge behalten, dass die Arbeit im Klinikum weitergehen müsse. Deshalb habe es eine abgestimmte Risikobewertung desjenigen Klinikpersonals gegeben, das mit den Patienten in Kontakt gekommen ist.

Einer der Patienten ist Arzt in der Pathologie des UKT und hatte dort gestern noch an einer sogenannten Tumorkonferenz teilgenommen. Dabei handelt es sich um eine  Fachbesprechung, bei der ein Kollegium von Ärzten Krankheitsverlauf, Befunde und Behandlungsmaßnahmen für Tumorpatienten bespricht.

Man dürfe, so Prof. Bamberg, aber auch nicht zu viele Aktivitäten [im Krankenhausbetrieb] entwickeln, die dann eine Krankenhausbetrieb lähmen, da ja neben Covid.19 auch noch andere schwerwiegende Erkrankungen versorgt werden müssen.

Alle Ärzte und Klinikpersonal, die gestern mit den Patienten Kontakt hatten, sind demnach aus dem Klinikbetrieb herausgenommen worden. Von etwa 80 Mitarbeitern im Bereich der Pathologie wurden 10 im Bereich Risikostufe 1 eingestuft und nach Hause geschickt. Insgesamt wurden, so Bamberg, 12 Mitarbeiter aus dem Klinikbetrieb herausgenommen.

Bei der Corona-Patientin handele es sich den Angaben zufolge um eine Tübinger Studentin; das Studienfach ist den Anwesenden unbekannt. Zwei Kontaktpersonen der Studentin wurden in Quarantäne nach Hause geschickt. Solange diese keine Symptome einer Erkrankung zeigen, würden sie aber nicht getestet.

Allgemein sei es so: Je länger der Kontakt mit einem Infizierten andauere, um so höher sei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Von daher gehe von einer Rückfahrt [der Infizierten] im Auto geringere Risiken aus, wie von einer Rückfahrt im Zug.

Wenn nun jemand [in Tübingen] Symptome bekomme, gehe man aber zuerst einmal von einer Influenza als Ursache aus. Man habe derzeit in Tübingen weit über 400 Influenza-Fälle.

Grippe und Covid-19 verlaufen beide sehr ähnlich, auch was die Ausprägung bei den verschiedenen Altersstufen angeht.

Zur Todesrate könne man im Moment noch nichts sagen: Bei der Grippe liege die Todesrate unter 1% und betrifft vor Allem Immun-supprimierte und Alte. Ähnlich sei es bei Covid-19. Derzeit sei die Todesrate dort  bei 2%. Da aber derzeit vor allem die schweren Fälle im Focus liegen [und die milden Verlaufsformen unter Umständen gar nicht erfasst werden], liege die Todesrate von Covid-19 der Einschätzung nach eher niedriger.

Solange die Abstriche positiv sind, bleiben die Infizierten auf alle Fälle noch im Krankenhaus.

Für das Corona-Virus gebe es derzeit keine spezifische Behandlung. Verschiedene Medikamente für andere Erkrankungen würden derzeit in China experimentell gegen Corona-Erkrankungen eingesetzt. Wenn es infolge einer Corona-Erkrankung bakterielle Folge-Erkrankungen gebe, würden gegen diese die entsprechenden Mittel eingesetzt

Man sei mit einem großen Konsortium auch hier vor Ort aktiv an der Impfstoffentwicklung beteiligt.

Der große Unterschied zu anderen Regionen in der Welt: In China, Norditalien, Südkorea  etc. wisse man nicht, wo sich die Patienten infiziert haben, wo der Kontakt stattgefunden hat, wo möglicherweise unerkannt Viren in der Bevölkerung zirkulieren. Im Gegensatz dazu habe man es hier [in Baden-Württemberg] mit einer gut dokumentierten Infektionskette zu tun, die systematisch abgearbeitet werden könne.

Soweit die Informationen aus der Pressekonferenz des Universitätsklinikums Tübingen.

Die Infektionskette: Von Mailand über Göppingen nach Tübingen

Am Dienstag, 25.02.2020, war aus Göppingen die erste Corona-Infektion in Baden-Württemberg bestätigt worden. Später war bekannt geworden, dass die Freundin des jungen Mannes aus Tübingen kommt und dort - zusammen mit ihrem Vater - isoliert wurde und auf Corona-Viren untersucht wird.

Beide Patienten wurden stationär am UKT aufgenommen; es gehe beiden gut. Die Symptome bei der jungen Frau seien unspezifisch und milde, so die Info des Landesgesundheitsamtes. 

Insgesamt hat das Gesundheitsamt 13 Kontaktpersonen des Göppinger Corona-Patienten identifiziert. Das hatte das Baden-Württembergische Gesundheitsministerium am heutigen 26.02.2020 auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben.  Der Patient aus dem Landkreis Göppingen hat sich vermutlich bei einer Italienreise angesteckt, teilte zuvor bereits das Sozialministerium mit. Die Infektion mit dem Coronavirus wurde am Dienstagabend nachgewiesen.

Bei dem Patienten handelt es sich laut Sozialministerium um einen 25-jährigen Mann aus dem Landkreis Göppingen, der sich vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt hat. Die Person erkrankte nach ihrer Rückkehr mit grippeähnlichen Symptomen und hat daraufhin Kontakt mit dem örtlichen Gesundheitsamt aufgenommen. Es erfolgte ein Test auf Coronaviren. Nach dem positiven Ergebnis soll der Patient in einer Klinik untergebracht und behandelt werden, isoliert von den übrigen Patientinnen und Patienten.

Das zuständige Gesundheitsamt ermittele gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Gesundheitsschutz am Landesgesundheitsamt die Kontaktpersonen des Patienten und veranlasse die entsprechenden Schutzmaßnahmen, hieß es. Das bedeutet, dass enge Kontaktpersonen häuslich abgesondert werden. Sobald eine Kontaktperson Symptome entwickelt, wird sie ebenfalls in einem Krankenhaus isoliert. Alle beteiligten Ärzte, Gesundheitsbehörden sowie das Kompetenzzentrum Gesundheitsschutz am Landesgesundheitsamt arbeiten demnach eng zusammen.

Minister appelliert an Reiserückkehrer aus Risikogebieten

Gesundheitsminister Manne Lucha bricht seinen Urlaub ab und wird am heutigen Mittwoch gemeinsam mit Expertinnen und Experten die Presse informieren. Er mahnt zur Besonnenheit: „Baden-Württemberg hat sich schon früh auf diesen Fall eingestellt. Alle beteiligten Stellen arbeiten eng und intensiv zusammen."

Der Minister appelliert an Reiserückkehrer, den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu folgen: Menschen, die nach ihrer Einreise aus Gebieten, in denen COVID-19-Fälle vorkommen, innerhalb von 14 Tagen nach ihrer Rückkehr Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollen

  • unnötige Kontakte vermeiden,
  • nach Möglichkeit zu Hause bleiben,
  • beim Husten und Niesen Abstand zu anderen Menschen halten beziehungsweise in die Armbeuge niesen oder husten,
  • nach Möglichkeit nur ein Taschentuch benutzen, das sofort entsorgt wird,
  • regelmäßig und gründlich Hände mit Wasser und Seife waschen,
  • Berührungen von Nase, Augen und Mund vermeiden,
  • nach telefonischer Anmeldung unter Hinweis auf die Reiseregion einen Arzt aufsuchen.

 

 

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